2. Tag: Alleine Pilgern fühlt sich gut an

Die ersten 19 km liegen hinter mir. Eigentlich wollte ich 28 km zurücklegen, doch leider hatte ich einen veralteten Prospekt mit falschen Angaben zu Übernachtungsmöglichkeiten. Als ob ich es geahnt hätte erkundigte ich mich in einer Bäckerei in Schrozberg nach Übernachtungen in Herrentierbach, meinem Wunsch-Etapenziel. Nix. Man riet mir zu bleiben und nicht aufs Geradewohl loszulaufen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mit dem Bus die Strecke zu absolvieren. Tse. Das fängt ja gut an!
Aber wenn ich ehrlich bin, die Fahrt mit dem Bus war meine Rettung. Leider habe ich den blödesten Anfängerfehler gemacht, den man nur machen kann: Ich bin mit nagelneuen Schuhen gelaufen! Autsch. Geschieht mir recht, denn Manuel Bold sagte zu mir: „Sie müssen die Schuhe unbedingt jeden Tag tragen und ein wenig einlaufen!“ Und was habe ich gemacht? Ich trug sie ein paar Stunden, ZU HAUSE, nicht draußen im Gelände, wie es sich gehört. DAS passiert mir nie wieder! Zum Glück hatte ich wenigstens die doppellagigen Socken an, die haben mich vor zusätzlichen Blasen beschützt.

Nun denn, jetzt bin ich in Mulfingen im netten Radgasthof der Familie Zinsler. Der Besitzer holte mich sogar von der Bushaltestelle ab! Nett, gell! Er sagte: „Man muss doch für einander einstehen!“ Da wusste ich, dass es einfach so sein sollte.

Was vom heutigen Tag übrig bleibt:
1. Schmerzen… überall – naja, es war halt der erste Tag!
2. Natur im Winter riecht unheimlich gut!
3. Alleine pilgern fühlt sich richtig an!

Etappenverlauf:
Rothenburg o. d. T. – Brundorf – Enzenweiler – Schöngras – Schrozberg (19 km)

Mehr Informationen zu diesem Weg gibt es hier: Jakobsweg Rothenburg o.d.T. – Speyer