4. Tag: Der verflixte Zeh!

Kloster Schöntal – mein heutiges Domizil. Das war eine gute Wahl, auch wenn es etwas teuer ist, denn dieser Ort gibt meiner Pilgertour eine besondere Note. Noch nie habe ich in einem Kloster übernachtet, noch dazu in so schönen Gemäuern. Bis ich aber erst einmal hier war, musste ich ein paar Schwierigkeiten meistern …

Ein gigantischer Sonnenaufgang heute Morgen ließ mich auf gutes Wetter hoffen. Mit selbstgebackenem Gebäck von meiner Herbergsfamilie machte ich mich guter Dinge auf den Weg. Leider rebellierte schon nach kurzer Zeit mein rechter kleiner Zeh gegen die Begrenzung des Schuhs. Aua.
Etliche Kilometer verläuft der sogenannte „Pfad der Stille“ parallel zum Jakobsweg. Immer wieder findet man am Wegesrand Tafeln mit Besinnlichen Texten. Einer gefiel mir besonders:

„Schritte bewegen,
werden zum Weg,
führen zu dem Ziel,
das du vor Augen hast
oder sich erst nach
vielen Schritten offenbart.“

Ich wurde oft angesprochen, da ich ja die Jakobsmuschel an meinem Rucksack hängen habe. „Eine Pilgerin, zu dieser Jahreszeit?“ war der häufigste Satz bisher.

Schneegraupel und frontaler Wind bremsten mich auf dem Weg nach Westernhausen etwas aus. Nichtsdestotrotz genoss ich trotzdem die Landschaft und verkroch mich hin und wieder in eine gemütliche Kirche. Doch ca. 4 km vor meinem Tagesziel konnte ich nicht mehr. Zu große Schmerzen am verflixten Zeh. Mit dem Bus fuhr ich dann weiter zum Kloster Schöntal. Als ich das Kloster dann zwischen den Bäumen erkannte, war ich unheimlich enttäuscht, dass ich nicht zu Fuß angekommen war. Vor allem, weil ich deswegen die tolle Wallfahrtskapelle Neusaß nicht sehen konnte. Diese Kapelle ist einer der Höhepunkte des gesamten Wegs. Das tut mir echt weh. Na ja, es hat nicht sollen sein. Morgen ist auch noch ein Tag.

Was heute vom Tag übrig bleibt:
1. Man muss die eigenen Grenzen respektieren!
2. Die Stille in einem Kloster ist überwältigend!
3. Erstaunlich viele Leute träumen vom Pilgern – warum tun sie es nicht?

Etappenverlauf:
Altkrautheim – Marlach – Winzenhofen – Westernhausen – Neusaß (musste ich leider auslassen) – Kloster Schöntal (15 km)

Mehr Informationen zu diesem Weg gibt es hier: Jakobsweg Rothenburg o.d.T. – Speyer