7.30 Uhr: Wisst ihr was ich heute mache? Nix. Ich ruhe mich aus und bleibe noch eine Nacht hier im Kloster. Es gibt so viel Historisches um mich herum zu sehen, dass ich mich für einen Ruhetag entschlossen habe. Es gefällt mir hier, ohne Fernseher, ohne Weihnachtsdekokrams – einfach nur erholsame Stille.

11.00 Uhr: Es regnet.
Wie heißt es so schön: „Regen bringt Segen!“
Beste Gelegenheit das Kloster zu erkunden …

Während ich so durch die bombastische Klosterkirche schlich, fiel mir ein Mann auf, der völlig ratlos und irgendwas suchend umherlief. Ich thronte gerade auf einem der Sitze im herrschaftlichen Chorgestühl, als ich ihn einfach mal fragte, ob er ein Foto von mir machen könnte. Er hat wie wild geknipst, und mich – im Chorgestühl fläzend – von allen Seiten festgehalten. Leider sind alle Fotos unscharf geworden. Ich hätte ihm erklären sollen, dass man erst scharf stellen muss. Egal, wir kamen ins Gespräch. Er suchte das Grabmal vom Götz von Berlichingen. Das gibt es tatsächlich hier! Zum Glück wusste ich, in welchem Gebäudeteil er suchen musste. Zugegeben, ich habe es selbst noch nicht gefunden zwischen den vielen Gedenktafeln. Morgen, nach dem Frühstück werde ich auf Erkundung gehen!

13.35 Uhr: Ich muss Schuhe kaufen! Das nächste Schuhgeschäft ist in Krautheim. Also, auf in den Bus und wieder zurück nach Krautheim.

Das war vielleicht ein komisches Gefühl, die Strecke mit dem Bus zu fahren, die ich noch einen Tag vorher zu Fuß gelaufen war. Das hat alles irgendwie unreal gemacht.
Das Busfahren ist in dieser Region sowieso gar nicht so einfach. Da wo ich immer hin will, fahren nie Busse und wenn, dann zu Unzeiten. Ein netter junger Busfahrer hat mich einfach mitgenommen zurück zum Kloster – über Umwege. Auch mit ihm hab ich ein wenig geplauscht. Er ist gefühlt stundenlang mit mir quer durch die Region gefahren. Das war echt nett, denn so konnte ich im Vorbeifahren das Kloster aus verschiedenen Perspektiven sehen. Ich glaube, wir sind viermal dran vorbeigefahren. Und als ich dann am Ende bezahlen wollte meinte er: „Ach, des basst scho. Da Sie so eine fleißige Pilgerin sind, sind Sie heute mein Gast!“ Das war richtig „dingdong“.

Stille. Abendessen. Zwei Weizenbier.

21.30 Uhr: Das Klosterdasein geht zu Ende … Schade irgendwie. Die Ruhe hat mir echt gut getan.

Was heute vom Tag übrig bleibt:
1. Fehler eingestehen fällt beim Pilgern zunehmend leichter!
2. Interesse am Mitmenschen und Hilfsbereitschaft öffnet jedermanns Herz.
3. In der Ruhe liegt tatsächlich die Kraft!

Mehr Informationen zu diesem Weg gibt es hier: Jakobsweg Rothenburg o.d.T. – Speyer