9. Tag: Es gibt keine Zufälle!

Ihr glaubt es nicht, wo ich heute übernachte! In einem echten Pilgerzimmer, bei einem noch echteren Pilger! Einem Mann, der schon über 4.000 km gepilgert ist, quer durch Europa! Zufall? Definitiv NEIN! Okay, erst mal zurück zum Anfang…

Endlich hatte ich mal wieder ein Frühstück – mit Kaffee. Dann ging es quer durch Sinsheim und eine Weile an der Autobahn entlang. Zugegeben, es gibt schönere Strecken, doch die Sonne schien, alles andere spielte keine Rolle. Mein nächstes Ziel war Dühren, dort gab es auch wieder einen schönen Stempel. Auf einer Art Parkplatz vor der Kirche, gibt es einen Muschelstein im Pflasterbelag, darauf steht: Santiago 2.500 km. *kchkchkch* Nett. Weiter ging’s über Hügel und Felder bei Sonnenschein und strahlend blauem Himmel nach Angelbachtal.

Am schönen Wasserschloss in Eichtersheim machte ich ein wohlverdientes Mittagspäuschen.
Ich lag gut in der Zeit und schon bald erreichte ich den Damm Richtung Mühlhausen. Endlich mal wieder weichen Boden unter den Füßen. Es tat richtig gut, nach den gestrigen Strapazen einen Gang runter zu schalten. Noch eine kleine Rast an einem See bevor ich Mühlhausen erreichte. Dort gibt es viele Wegkreuze, unter anderem das Russenkreuz, an dem ich kurz anhielt. Da ruft mir plötzlich jemand zu: „Buen Camino!“

Zwei ältere Herren steuern auf mich zu und begrüßen mich als Pilgerin. Im Gespräch stellt sich heraus, dass die beiden gute Freunde sind und gemeinsam seit Jahren auf dem Camino unterwegs sind und schon über 4.000 km zusammen gepilgert sind. Ich konnte es kaum fassen und sagte vor mich hin: „Das kann doch kein Zufall sein, dass ich sie jetzt hier treffe!“ Der eine Herr schaut mich an und sagt zu mir: „Es gibt keine Zufälle!“ Ich krieg grad wieder ’ne Gänsehaut, währen dich das schreibe.
Dann stellt sich der Mann vor: „Ich bin Rudi Kramer, ich habe den Jakobsweg von Rothenburg nach Speyer federführend mitgestaltet. Ich pflege auch die Homepage zu diesem Weg.“ Das gibt’s doch nicht! Ich dachte ich spinne. Er meinte, er wohne hier in Mühlhausen und vermiete auch Zimmer. Aber ich wollte ja weiter nach Malsch. Wir verabschiedeten uns und ich zog weiter.

Malsch war nur ein Katzensprung weit weg, und so trank ich in einer Bäckerei erst mal einen Kaffee. Tzja, blöd war nur, dass es in Malsch keine Übernachtung für meinen Geldbeutel gab. Auch im Rathaus konnte man mir nicht helfen. Rücksprache mit Simone. Sie würde mich holen. Ein kleiner Rettungsanker.

Obligatorisch ging ich in die Kirche und lud erst mal mein Smartphone auf. In der Kirche war es so gemütlich, dass ich mir dachte: „Och, ich könnte mich doch hier einschließen lassen und die Nacht in der Kirche verbringen.“ Da erinnerte ich mich an den netten Herrn von vorhin. Ich googelte und fand ihn. Es klingelte, er nahm ab und ich fragte ob er ein Zimmer frei hat für mich. „Ich habe für Pilger immer ein Zimmer frei“, war seine Antwort. Ich konnte es kaum fassen. Kurz darauf holte er mich an der Kirche ab. Und jetzt wohne ich bei Rudi (Pilger sind immer per du) und seiner Frau in der Pilgerwohnung. Nachher wollen wir zusammen ein Gläsel Wein trinken und erzählen. Ich freue mich schon drauf!

Ihr könnt euch sicher schon denken, was heute vom Tage übrig bleibt…
1. Es gibt keine Zufälle – das glaube ich ganz fest!
2. Dieser Weg hat in mir etwas bewegt!
3. Ich freue mich trotzdem wieder nach Hause zu kommen!

Etappenverlauf:
Sinsheim – Dühren – Michelfeld – Mühlhausen – Rettigheim – Malsch – Malschenberg (ca. 18 km)

Mehr Informationen zu diesem Weg gibt es hier: Jakobsweg Rothenburg o.d.T. – Speyer