Eigentlich sollte ich ja an einem Artikel über ein DIY-Projekt arbeiten. Aber heute war so ein toller, heißer Sommertag, dass ich nicht anders konnte, als meinem Bauchgefühl nachzugeben und noch spät in der Nacht einen kleinen Rundgang durch mein Dorf zu unternehmen.

Es war schon nach 1 Uhr als ich noch einmal um den kleinen See spazierte. Ich liebe es, wenn es nachts noch so warm ist. Ein leichter Wind ging und zerzauselte meine Frisur. Egal. Einfach nur noch mal kurz Luft schnappen. So war der Plan. Ich ahnte ja nicht, dass es heute Nacht so einen tollen Mond geben würde. Gefärbt wie eine Blutorange hing der Halbmond plötzlich über den Dächern. Wahnsinn. Das musste ich fotografieren. Also, schnell nach Hause gehuscht, die Kamera eingepackt und das Stativ über die Schulter. „Bitte, lieber Mond, jetzt nicht gleich wieder verschwinden!“

Nach 20 Minuten ungefähr war ich auf einem Hügel oberhalb Klingenmünster. Verdächtige Wolken bauten sich schon auf. Noch immer stand der halbe Mond am Himmel, orange und leuchtend. Ich habe nicht lange gefackelt und alles aufgebaut. Schnell frei Schnauze eine Einstellung gewählt (f 5,6; 1/10; ISO 100) und einfach abgedrückt. Ich hatte genau drei Versuche bis der Mond hinter einer Wolkenbank verschwand. Drei Schuss – ein Treffer. Naja, fast ein Treffer. Leicht unscharf war er noch, der Erdtrabant. Doch die Farbe hat gepasst und zumindest hatte ich ein annähernd brauchbares Bild geschossen.

Die Luft war unbeschreiblich: warm, nach Sommer und Gewitter duftend. Mitten auf der Straße saß ich mit meiner Ausrüstung und habe mich einfach nach hinten abgelegt. Plötzlich war sie da, die Kindheit, die Unbeschwertheit und Sorglosigkeit, die Vertrautheit und Leichtigkeit der Jugendzeit. Nach ein paar Minuten war der ganze Zauber wieder vorbei. Mein Rücken tat weh, mein Nacken auch. Langsam aufrappeln und die Knochen sortieren. Noch immer versteckte sich der Mond hinter dem Wolkenschleier.

Aber … diese fünf Minuten, dieser kurze, lebendige Ausflug in meine Kindheit war es wert, dass ich jetzt hundemüde – aber zufrieden – ins Bett krabble.