Gedanken und Emotionen

Was mir an Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ fehlte, waren seine Emotionen und Erkenntnisse während und nach seiner Pilgerwanderung. Das Buch war witzig, aber für meine Ansprüche zu oberflächlich. Gerade das Tiefgründige dahinter hätte mich interessiert. Und das ist wohl mit ein Grund, warum ich mich nicht davor scheue meine Gefühle und Gedanken preiszugeben. Mit Selbstdarstellung hat das nichts zu tun. Meine Intention ist, anderen Mut zu machen, sich auch auf den Weg zu begeben – ob jetzt alleine oder in einer Gruppe spielt dabei keine Rolle. Jeder entscheidet sich für seinen eigenen Weg.

Ja, es erfordert Courage, sich auf den Weg zu machen, einen viel zu großen Rucksack mit sich rumzuschleppen und nicht genau zu wissen wo man am Ende des Tages landet. Aber ist es mit dem Leben nicht dasselbe? Wir alle schleppen Ballast mit uns herum, Tag für Tag. Wir alle wissen heute nicht, welche Überraschungen morgen auf uns warten. Haben wir deswegen Angst davor morgens aufzustehen?

Wir alle haben Mut, denn wir stellen uns jeden Tag aufs Neue den Herausforderungen des Lebens: im Beruf, in der Familie, im sozialen Miteinander und in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Manchen gelingt das hervorragend, andere dagegen tun sich damit schwerer. Genauso ist es auf dem Jakobsweg. Die einen legen täglich 30 km zurück ohne Blessuren, die anderen brauchen für dieselbe Strecke etwas länger, haben Schmerzen und leiden. Alle gehen auf dem gleichen Weg, doch jeder geht auf seine Art.

Es gibt die verschiedensten Beweggründe, warum sich jemand auf den Jakobsweg begibt: Schicksalsschläge, Arbeitsplatzverlust, Trennungen, Liebeskummer, Berufswechsel, Abenteuerlust, sportliche Herausforderungen oder überhaupt bedeutende Veränderungen im Leben. Jeder, der davon träumt den Jakobsweg oder Teile davon zu gehen, hat seinen ganz persönlichen Grund, warum er/sie das tun möchte. Was hält dich davon ab? Wenn du wirklich gehen willst, dann mache es möglich. Vielleicht nicht gleich morgen, aber vielleicht übermorgen oder nächste Woche oder nächstes Jahr.

Du musst ja nicht gleich über 2.000 km gehen. Es gibt so viele regionale Jakobswege, die man auch in Etappen gehen kann. Das kann ich nur empfehlen, wenn man sich noch nicht sicher ist oder es sich noch nicht richtig zutraut. Übe doch erst einmal in deiner vertrauten Umgebung. Auch ich stehe immer noch am Anfang und gehe erst noch ein paar Wege in Deutschland, bevor ich mich ins Ausland wage.

Eines kann ich euch versichern: Sobald ihr als Pilger unterwegs seid, ist es ein anderes Wandern, ein anderes Bewusstsein, eine völlig andere Wahrnehmung der Welt und des Daseins. Weil ihr mit einem anderen Hintergrund losgeht, als wenn ihr einfach in den Wald wandern geht. Probiert es einfach mal aus.

Buen Camino!