Industrie, Kultur, Landschaft – eine spannende Mischung

Umschlossen von den „Bergischen Drei“ (Remscheid, Solingen, Wuppertal) liegt der nördlichste Zipfel des Naturparks Bergisches Land. Auf historischen Spuren führt der Bergische Weg durch eine abwechslungsreiche Landschaft, vorbei an kulturträchtigen Stätten und historischen Dörfern. Drei Gebiete in Nordrhein-Westfalen verbindet der Fernwanderweg: das Ruhrgebiet, das Bergische Land und das Siebengebirge. In 14 Etappen führt der Bergische Weg über 260 Kilometer von Essen zum Drachenfels.

Einer Einladung der Tourismusregion Remscheid Solingen Wuppertal folgend, reiste ich im Juli 2016 in das, mir noch völlig unbekannte Bergische Land, um eine Wanderurlaubspauschale zu testen. Unter dem Slogan „Auf unseren Höhen kommen Sie runter – Unterwegs auf dem Bergischen Weg“ wird die Urlaubspauschale auf der Webseite der Tourismusregion Die Bergischen Drei angeboten. Das Buchungspaket beinhaltet Übernachtungen mit Abendessen, Frühstück, Lunchpakete, Gepäcktransfer, Transfer zum Ausgangspunkt der Wanderreise, Verzehrgutscheine für unterwegs, Kartenmaterial und Reisesicherungsschein.

Wanderurlaub Bergischer Weg – 1. Tag: Solingen-Gräfrath

Ausgangspunkt der Reise mit der ersten Übernachtung ist Solingen-Gräfrath. Nach meiner Ankunft im 4-Sterne-Hotel erkunde ich erst einmal den historischen Stadtkern. Schwarzer Schiefer, weiße Fenster- und Türrahmen sowie grüne Klappläden dominiert das Gräfrather Stadtbild. Diese drei Farben – Schwarz, Weiß, Grün – bilden den sogenannten „bergischen Dreiklang“, der typisch ist für die historischen Ortskerne im Städtedreieck. Es macht mir richtig Spaß durch die teils schmalen Gassen zu schlendern und mir die Häuser anzuschauen. Vom Marktplatz führen 72 Stufen hinauf zur Klosterkirche mit erhabenem Blick über die Dächer der Stadt. Gleich hinter der Kirche befindet sich das Deutsche Klingenmuseum mit der weltweit größten historischen Bestecksammlung. Skulpturen im Außengelände des Museums verweisen auf Solingens lange Tradition der Klingenherstellung. Zu Fuß die Stadt erkunden war eine gute Idee, denn so kann ich das Flair der denkmalgeschützten Stadt unmittelbar erleben. Gemütlich Kaffee trinken auf dem Marktplatz, ein frisch gebrautes Bier mit deftigem Essen oder gehobene Küche – Genussreisende finden hier alles was den Gaumen erfreut.

Übernachtungstipp: Gräfrather Hof

Im Gräfrather Hof beziehe ich Zimmer Nummer 202, mit Blick auf die Klosterkirche. Zum Hotel gehört das Restaurant Florian, in dem ein leckeres Drei-Gänge-Menü am Abend serviert wurde. Das Hotel liegt zentral inmitten der schönen Altstadt. Bei schönem Wetter kann man gemütlich draußen sitzen, auch zum Frühstück. Hier würde ich jederzeit ein paar Tage Urlaub machen.

Wanderurlaub Bergischer Weg – 2. Tag: Etappe 4 (Gräfrath > Burg, 24 km)

Frühstücksbüffet mit Honigwabe – schöner kann ein Wandertag kaum beginnen. Der Tagesrucksack ist gepackt, das Lunchpaket verstaut und die Füße fühlen sich gut an. Meine erste Wanderung im Bergischen Land kann beginnen. Gegen 9 Uhr beginne ich mit dem Aufstieg zur Klosterkirche, zum Etappenstart. Das erste Stück führt durch die Gräfrather Heide. Ein älterer Herr mit Hund kommt mir entgegen und spricht mich an. Als er hört, dass ich zwei Etappen auf dem Bergischen Weg wandere ist er völlig begeistert. Auch er hat schon mehrere Etappen dieses Wegs bestritten und möchte ihn gerne irgendwann einmal komplett wandern. Die heutige Etappe ist sehr schön, verspricht er mir, und ich werde bestimmt begeistert sein.

Auf den Spuren Bergischer Geschichte

Etwa eine halbe Stunde lang wandere ich an Getreidefeldern entlang ins Friedenstal. Der Wind streift durchs Getreide und bringt die Ähren zum Rascheln. Beruhigend. Kurz vor Cronenberg gelange ich ins Waldpädagogische Zentrum und Arboretum Burgholz. Mehr als 100 Nadel- und Laubbaumarten aus allen Kontinenten der Welt wachsen hier auf einer Fläche von 200 Hektar. Es ist das größte Anbaugebiet fremdländischer Baumarten in Deutschland und dient forstwissenschaftlichen Studien. Etwas Vergleichbares habe ich noch nie gesehen. Informationstafeln vermitteln in Kürze alles Wissenswerte zu den jeweiligen Baumtypen. Allein schon der Geruch dieser verschiedenen Bäume ist für mich ein Traum. Entsprechend habe ich hier etwas Zeit verloren.

Die ersten fünf Kilometer liegen hinter mir und ich mache Rast an einer Schutzhütte. Was mich bis jetzt sehr beeindruckt ist die unmittelbare Nähe des Waldes. Egal in welchem Dorf oder Stadtteil ich mich befinde, direkt hinter der letzten Häuserreihe beginnt der Wald und es geht 200 bis 250 Meter den Berg hoch. Innerhalb weniger Gehminuten genießt man völlige Ruhe. Das hatte ich so nicht erwartet und ich finde es großartig.

Zeugnisse der Frühzeit

Vier Wanderkilometer weiter entdecke ich Schienen am Boden und eine Informationstafel, die auf die Reste des Friedrichshammers, der bedeutendsten Senseschmiede des Kaltenbachtals hinweist. Die Tradition der eisenverarbeitenden Industrie im Bergischen Dreieck Remscheid-Solingen-Wuppertal reicht bis ins hohe Mittelalter zurück. Immer wieder finde ich Hinweise und Zeugnisse aus der Frühzeit der Industrialisierung. Teilweise so stark überwuchert, dass ich sie ohne die Informationstafeln gar nicht als solche identifizieren könnte.

Weiter geht es durch das wunderschöne Naturschutzgebiet „Wupper und Wupperhänge“. Hier sehe ich zum ersten Mal in meinem Leben den sogenannten Riesen-Bärenklau. Er überragt mich locker um einen Meter. Sehr beeindruckend. Im Morsbachtal komme ich an der über 150 Jahre alten Kollsbuche vorbei. Zur Zeit der Industrialisierung war Buchenholz ein begehrter Rohstoff. Umso erfreulicher, dass diese stumme Zeitzeugin „überlebt“ hat.

Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands

Der Weg zur Müngstener Brücke ist anspruchsvoll. Es geht stetig bergauf und in Anbetracht der Zeit und der Strecke die noch vor mir liegt, entscheide ich schweren Herzens, keinen Abstecher hinunter zum Brückenpark zu machen. Es hätte mich sicherlich ein bis zwei Stunden gekostet. Dafür war ich einfach zu spät dran. Angekommen an der Müngstener Brücke bin ich total überwältigt. Ein Pfad führt zum Fuße eines Brückenpfeilers. Von dort habe ich einen gigantischen Blick von unten hinauf zur höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands. Das Geräusch, wenn ein Zug über die Brücke fährt ist echt beängstigend.

Nun sind es noch etwa sechs Kilometer nach Burg, zu meinem Tagesziel. Insgesamt wandere ich auf breiten Waldwegen, ab und zu auch auf schmalen Pfaden und ein stückweit an der Straße entlang (mein Erlebnisempfinden trübt das jedoch nicht). Als ich gegen 17.45 Uhr an der Seilbahn in Burg ankomme habe ich ganz schön Glück, denn die Bahn fährt um 18 Uhr an diesem Tag zum letzten Mal zum Schloss Burg hoch. Oben nehme ich mir noch die Zeit und schaue mich auf dem Schlossgelände um, bevor ich erschöpft den Fußmarsch zum Hotel Niggemann antrete, indem ich heute Abend übernachten werden.

Wanderurlaub Bergischer Weg – 3. Tag: Etappe 5 (Burg > Altenberg, 30 km)

Zu meinem Ärger gibt es erst ab 8.30 Uhr Frühstück. Zu dieser Zeit wollte ich eigentlich schon unterwegs sein, denn heute liegt eine sehr lange Tour vor mir, mit etwa 30 Kilometern und das bei brütender Sommerhitze. Heftig. Um 9.30 Uhr bin ich endlich an der Seilbahn. Geschlossen. Sonntags erst ab 10 Uhr geöffnet. Energisch marschiere ich über die sogenannte Burgstiege hinunter in die Stadt, zum offiziellen Ausgangspunkt der 5. Etappe. Es ist ein kurzer, sehr steiler Pfad nach unten. Links von mir schroffe Schieferfelsen, rechts von mir die Wupper. Ich befinde mich im Rheinischen Schiefergebirge. Dieser Streckenabschnitt gefällt mir gut, erstens weil ich dem Flusslauf folge und zweitens, weil es wieder mal sportlich den Berg hoch geht. Überhaupt mag ich die Kombination von Fels und Wasser.

Man trifft sich an der Sengbachtalsperre

Schon nach kurzer Zeit (ca. 1,5 km) wird die Sengbachtalsperre angekündigt. Ein Wegweißer („Sengbachtalsperre 0,1 km“) leitet mich leider ins Nichts. Mir war nicht eindeutig klar, dass dies nur der Hinweis auf eine schöne Aussicht ist und nicht der Weg ans Ufer der Talsperre. Zwei Kilometer umsonst gelaufen und Zeit verloren. Auffällig viele Jogger überholen mich oder kommen mir entgegen. Neugierig geworden spreche ich eine Gruppe Jogger an, ob hier ein Lauf-Event stattfindet. Sie lachen laut und meinen „Nee, hier sind immer so viele Jogger unterwegs. Man trifft sich hier zum Joggen, quatscht ein wenig und rennt weiter.“ Das finde ich richtig klasse! Jung und alt, Männer und Frauen treffen sich hier auf diesem Streckenabschnitt des Bergischen Wegs zum miteinander Joggen. Toll! Es wird kurz geplauscht, sich gedehnt, dann trennt man sich wieder und irgendwann später begegnet man sich wieder oder auch nicht.

Also, die Aufstiege haben es in sich. Während sich bergabwärts mein Atem wieder langsam beruhigt, kommt mir ein Typ mit einem Einrad entgegen. Im ersten Moment glaube ich an eine Halluzination. Nein, es ist tatsächlich ein junger Mann, der sein Einrad den Berg hoch schiebt. Zu gerne hätte ich seine Abfahrt gesehen. Hat so ein Dings eigentlich eine Bremse? Kopfkino.

Ah, jetzt sehe ich die Staumauer der Sengbachtalsperre. Ein kurzer Abstecher muss sein. Es ist ein traumhafter Sommermorgen. Die Sonne spiegelt sich auf der Wasseroberfläche. Auch hier sind wieder trainingswütige Jogger unterwegs. Ich nehme mir fest vor, zuhause auch wieder mit dem Joggen anzufangen. Schon ist mein Gewissen beruhigt.

Über die Wupper gehen? Keine gute Idee!

Bei der Wupperbrücke Strohn bleibe ich verdutzt vor einem Absperrgitter stehen. „Wegen Bauwerksschäden gesperrt“. Am nahegelegenen Kiosk frage ich den Typen hinter dem Tresen, wie es hier weitergehen soll. Der meint locker flockig: „Gehen sie doch durch die Wupper! Da sind schon einige durchgewatet, das Wasser ist hier nicht so tief.“ Meine Abenteuerlust ist geweckt. Unten am Ufer steht ein älteres Paar mit Hund. „Sind sie sicher, dass sie da rein möchten?“ Besorgter Blick der Frau, Kopfschütteln des Mannes. Sie sorgen sich um mich und wollen warten, bis ich wieder in Sicherheit bin. Pah, das bisschen Wasser… Ja, ja, wie man sich täuschen kann… Da stehe ich nun bis zu den Knien in der Wupper, auf glitschigen Steinen und die Strömung zieht mir fast die Beine weg. Ein kurzer Moment von Panik steigt auf. Okay, das scheint dann doch der falsche Weg zu sein. Wie ein Storch im Salat stakse ich wieder zurück. Meine beiden Beschützer nehmen mich am Ufer in Empfang und scheinen sichtlich froh zu sein, dass ich umgekehrt bin. So lieb die beiden. Bevor ich mich wieder auf den Weg mache, muss ich nur noch kurz den Typen im Kiosk anpfeifen, damit er niemals wieder jemanden über die Wupper schickt. Es gibt nämlich einen parallel verlaufenden Weg auf dieser Seite der Wupper. Etwa 1,5 Kilometer weiter trifft dieser wieder auf den Bergischen Weg. Alles gut. Der ganze Abenteuerspaß hat mich eine Stunde gekostet. Es ist 11.30 Uhr und ich habe noch nicht einmal 5 km hinter mir.

Gesperrte Brücke
Am Ufer der Wupper
Versuch die Wupper zu durchqueren

Wenn das Wasser knapp wird…

Hoch, runter, hoch, runter. Schmale, anspruchsvolle Pfade mit Steigcharakter wechseln sich ab mit leicht zu gehenden Waldwegen. Teilweise fühle ich mich wie im Märchen, so ruhig und idyllisch ist es hier. Das Bild von Carl Spitzwegs Schmetterlingsfänger kommt mir in den Sinn. Hier könnte es gemalt worden sein. Mittlerweile ist die Mittagshitze kaum auszuhalten. Woran ich nicht gedacht habe: Es ist Sonntag, alle Geschäfte und Bäckereien haben geschlossen. Und… ich habe kein Wasser mehr. Wie kann mir nur so etwas passieren? Völlig dehydriert komme ich an einem Wohngebiet vorbei. Ein wenig verzweifelt klingle ich wahllos an Haustüren. Mir ist schon ganz schwummrig. Am vierten Haus öffnet eine nette ältere Dame, die ihren Mann sofort losschickt, mir Wasser zu holen. Ich schütte gefühlt 2 Liter Wasser in mich rein. Gerettet. Mit gefüllten Wasserflaschen mache ich mich wieder auf den Weg. Hilfsbereitschaft von fremden Menschen zu erfahren ist etwas sehr Schönes.

Wald- und Wiesenwege

Das Wetter und die Landschaft sind traumhaft. Auf einem Kornfeld stehen kleine Zwergenhäuschen. Keine Ahnung was es mit diesen kleinen Häusern auf sich hat. Gut gelaunt erreiche ich kurze Zeit später die Talsperre Diepental. Mir gefällt die Atmosphäre am Wasser. In seichtem Wasser tummelt sich Federvieh, warmer Sommerwind streicht durch den Biergarten, fröhliches Kinderlachen und Geplapper. Tut gut nach den vielen einsamen Kilometern. Ausruhen. Entspannen. Tiere beobachten. Auf’s Wasser schauen. Völlig tiefenentspannt mache ich mich nach einer halben Stunde wieder auf den Weg und entschließe mich, nicht die Abkürzung zu nehmen, sondern um den See herum zu laufen. Eine gute Idee. So beruhigend, am Wasser entlangzulaufen. Es sind viele Leute unterwegs, doch das macht mir nichts aus. Auch die vielen Hunde nicht. Ich finde es erstaunlich, dass nicht ein Hund an mir schnuppert oder mich ansteuert (so wie es sonst immer ist). Sehr wohlerzogene Hunde überall. Das gefällt mir, denn ich habe ein Hundetrauma. [Zur Erklärung: Ich wurde als Kind dreimal völlig unerwartet von Hunden gebissen]. Mittlerweile ist 15.30 Uhr und 11 km liegen noch vor mir. Wenn ich weiter so schlendere werde ich wohl nie ankommen.

Allgäu-Flair im Bergischen Land

Wiese, nichts als Wiese. Die Umgebung erinnert mich ans Allgäu, nur ohne Berge. Allgäu-Flair mit Kühen – und das in NRW. Toll. Auf einer Anhöhe kann ich in der Ferne den Kölner Dom erkennen. Was für eine Sicht! So langsam macht mir wieder die Hitze zu schaffen und ich bin froh, wenn ich das Etappenziel erreicht habe. Noch 4,5 km nach Altenberg. Mir fällt auf, dass es schon ewig keine Sitzgelegenheit mehr gab. Ganz schön anstrengend. Wie schön, es geht im Schatten an einem Flüsschen entlang. Laut meiner Karte könnte es die Dhünn sein, ein Nebenfluss der Wupper. Was sehen meine Augen? Die Pilgermuschel. Hier trifft ein Jakobsweg auf den Bergischen Weg, bis nach Altenberg.

Auweia, meine Beine schmerzen. Endlich, das Ziel der Etappe nähert sich. Links erkenne ich eine Art Stadttor. Dahinter muss der Altenberger Dom sein. So gerne würde ich ihn mir noch anschauen. Aber meine Füße und Beine wollen nicht mehr. Schnurstracks zieht es mich zu meinem heutigen Domizil, dem Hotel-Restaurant Wißkirchen. Geschafft. Angekommen. Das Hotel liegt wunderschön inmitten der Natur. Mein Zimmer ist sehr gemütlich und sofort fühle ich mich heimisch. Ausgepackt wird später, jetzt wird erst mal was gegessen. Draußen im Biergarten gefällt es mir, rund herum nur Natur, es ist angenehm warm und das Essen schmeckt lecker. Dummerweise habe ich mein Mückenspray nicht dabei. Ein großer Fehler. Ruckzuck habe ich mir etliche Schnakenstiche eingehandelt. Dann muss ich halt mein Blut etwas mehr mit Alkohol anreichern. Zum Wohl!

Wanderurlaub Bergischer Weg – 4. Tag: Botanischer Garten

Bis mein Zug abfährt habe ich noch Zeit, mir den botanischen Garten in Solingen anzuschauen. Zum Glück blühen noch ganz viele Blumen. Im Frühling ist es hier bestimmt noch viel schöner. Es ist ein kleiner Park, den ich recht schnell durchquert habe. Für den letzten Tag aber genau das Richtige. Ich hätte auch einen Stadtbummel machen können, doch mich zog es einfach noch einmal in die Natur. Auf meinem Fußmarsch zum Bahnhof bin ich erneut erstaunt, wie grün hier alles ist. Meine Vorstellung vom Bergischen Land hat sich durch diese Wanderreise komplett verändert. Ich bin begeistert von dieser Region und war hier ganz bestimmt nicht das letzte Mal.

Mein Fazit:

Im Bergischen Dreieck zu wandern heißt auch, Industriegeschichte und Technik in Verbindung mit einer wundervollen Naturlandschaft zu erleben. Steile Aufstiege, einzigartige Wald- und Wiesenabschnitte, interessante Kulturgeschichte, sehr nette Leute mit netten Hunden und viel Wasser – die zwei Etappen auf dem Bergischen Weg waren überaus abwechslungsreich und ein unvergessliches Erlebnis für mich.

Für einen Wanderurlauber, der es nicht gewohnt ist, mehr als 20 Kilometer zu wandern, empfehle ich, die zweite Etappe zu halbieren und noch einen weiteren Wandertag einzuplanen. Die Etappe ist anstrengend, teilweise recht steil und erfordert Kondition. Auf den letzten 10 Kilometern sind kaum Sitzgelegenheiten zu finden, was gerade zum Ende der Etappe hin kräftezehrend ist.

Auf jeden Fall sollte man genügend Trinkwasser mitnehmen und am besten auch etwas Rucksackverpflegung. Der Bergische Weg wurde vom Deutschen Wanderverband als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet. Zum größten Teil ist die Beschilderung durchgängig und auf Sicht montiert, wie man es von Premiumwegen gewohnt ist. Dennoch rate ich dazu, sowohl eine Wanderkarte als auch einen GPS-Track als Sicherheit dabei zu haben. Die Erfahrung zeigt leider immer wieder, dass Wegmarkierungen beschädigt oder als Souvenir mitgenommen werden.

Das Wegeprofil ist gemischt: Wald- und Wiesenwege, asphaltierte Abschnitte und schmale Pfade, mehrere steile Passagen mit Unebenheiten. Schuhempfehlung: ein leichter Trekking- oder Wanderschuh.

Die Auswahl der Übernachtungen hat mir sehr gut gefallen. Mit Zimmer, Essen, Lunchpakete, Gepäcktransfer und Service war ich sehr zufrieden und kann diese Wanderurlaubspauschale guten Gewissens weiterempfehlen. In punkto Gepäck unbedingt darauf achten, dass es nicht zu schwer und gut zu transportieren ist. Nicht immer ist ein Fahrstuhl vorhanden. Es ist zwar ein Gepäcktransfer inbegriffen, doch die Koffer muss man selbst ins Zimmer tragen und am nächsten Morgen wieder zur Rezeption bringen.

Nachtrag zur Talsperre Diepental: Bei meinen Nachrecherchen habe ich etliche negative Bewertungen zum Haus Diepental gelesen. Dort hatte ich eine Rast gemacht und im Biergarten etwas getrunken. Die Bedienung war tatsächlich sehr unfreundlich, doch mir war das ziemlich egal. Da ich 2016 dort war, ist es möglich, dass meine Beschreibung nicht mehr hundertprozentig zur aktuellen Situation dort passt.

Mein Aufenthalt im Bergischen Land fand auf Einladung von Die Bergischen Drei der Tourismusregion Remscheid Solingen Wuppertal statt. Vielen Dank an dieser Stelle für die hervorragende Betreuung. Meine Berichterstattung hat dies in keiner Weise beeinflusst. Ich behalte mir vor, authentisch und ehrlich über meine Wanderungen und Aufenthalte zu schreiben.