Wie ich beim Wandern glücklich wurde …

Initiiert durch Katja vom WellSpa-Portal macht diese Frage ihre Runde in den Sozialen Netzwerken und auf diversen Blogs. Schon seit Wochen grüble ich darüber nach, ob mich wandern glücklich macht. Während meiner Eifelsteig-Wanderung fand ich die Antwort: Ja, wandern macht mich glücklich, sehr sogar.

Beruflich habe ich ein turbulentes und sehr anstrengendes Jahr hinter mir. Termindruck, Auftragsstau und es jedem recht machen wollen brachte mich regelmäßig in Bedrängnis und an meine physischen wie psychischen Grenzen. Keine Freizeit, kaum Bewegung, nur Arbeit rund um die Uhr – und das über mehrere Monate. Keine Ahnung, wann ich das letzte Mal so erschöpft und leer war, wie kurz vor meiner Eifelsteigtour Ende September. Es gab so viel zu organisieren und zu planen. Mein Anspruch an mich selbst war hoch. Oft auch zu hoch.
Zugegeben, mir war etwas mulmig vor dieser 15-tägigen Wanderung. Zu wenig Training, immer noch Knieprobleme und meine Ausrüstung für’s Zelten war nicht komplett. Ob das mal gut ging? Auf der anderen Seite freute ich mich unheimlich auf die Eifel und auf die Abenteuer, die mich dort erwarteten. Mein Bauch sagte: Geh! Du brauchst das! Mein Bauch hatte wieder mal recht.

Schon bei meiner Ankunft in Aachen fühlte ich, dass diese Tour etwas ganz Besonderes sein wird. Vielleicht lag es am Sonnenschein, der die Innenstadt in ein wundervolles Licht tauchte oder am „Tag der Vereine“, der gerade stattfand und Aachen mit Leben füllte. Auf jeden Fall war da sofort ein Gefühl von Wohlbehagen und Aufgehobensein. Der jugendliche Puls der Stadt hatte mich erfasst. Dieses Gefühl habe ich mitgenommen auf meine Wanderung – und es ruht immer noch tief in mir.

Meine Tour begann am nächsten Tag in Kornelimünster. Zuerst war ich alleine unterwegs. Das war auch gut so, denn ich brauchte Zeit, um mich vom nervenaufreibenden Alltag zu lösen und in den Wandermodus zu kommen. Im Naturschutzgebiet Struffelt erlebte ich meinen ersten Moment eines Hochgefühls, als ich aus dem Wald heraus in die warme Heidelandschaft wanderte. Sonnenschein, blauer Himmel, weiches Gras und … eine Schafherde – hier wollte ich bleiben. Über eine Stunde saß ich auf dem weichen Boden neben der Schafherde und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Jetzt erst realisierte ich, dass ich noch ganze 16 Tage Abenteuer vor mir hatte. Jetzt erst verspürte ich einen Anflug von innerer Ruhe, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit.

Bereits auf der ersten Etappe breitete sich eine tiefe Zufriedenheit in mir aus. Auf weichem Boden in der warmen Sonne sitzend, lauschte ich den Schafen hinter mir und genoss die Zeit für mich.

Bereits auf der ersten Etappe breitete sich eine tiefe Zufriedenheit in mir aus. Auf weichem Boden in der warmen Sonne sitzend, lauschte ich den Schafen hinter mir und genoss die Zeit für mich.

Ähnlich ging es mir am folgenden Tag, als ich durch das Hohe Venn wanderte. Auch wenn ich völlig alleine war – vielleicht auch gerade deshalb – wirkte die Landschaft des Hochmoors auf mich, wie eine Wellnessbehandlung. Das gemütliche durch die Natur Streifen und Wahrnehmen beruhigte mich ungemein. Gedanken kamen und gingen, es gab nur mich und die Natur. Tiefe Zufriedenheit durchströmte mich. Doch zum Glücklichsein fehlte noch etwas. Nämlich der Mensch. Das merkte ich aber erst am Ende meiner Eifelsteig-Tour. Denn da konnte ich den Vergleich ziehen und feststellen, dass Zufriedenheit nicht zwangsläufig auch Glücklichsein bedeutet.

Am dritten Wandertag traf ich mitten in Monschau Kathrin, die genau wie ich den Einstieg zum Eifelsteig suchte. Kurzerhand entschlossen wir zusammen zu wandern. Und ab hier veränderte sich meine Wahrnehmung. Denn ab jetzt teilte ich alles was ich sah mit meiner Begleitung. Es machte unheimlich Spaß, gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen und Erfahrungen auszutauschen. Wir machten dort Rast wo es uns gefiel und ließen uns treiben. Auch den vierten Wandertag bestritten wir gemeinsam und freuten uns über das tolle Wetter, über den Wind und das viele Herbstbunt rundherum.

Der Zufall wollte es, dass Kathrin und ich zwei Tage lang zusammen wanderten. Schon beim ersten Aussichtspunkt haben wir uns gemütlich niedergelassen und die Aussicht genossen. Zeit spielte keine Rolle mehr.

Der Zufall wollte es, dass Kathrin und ich zwei Tage lang zusammen wanderten. Schon beim ersten Aussichtspunkt haben wir uns gemütlich niedergelassen und die Aussicht genossen. Zeit spielte keine Rolle mehr.

Fast täglich begegnete ich Wanderern auf dem Eifelsteig. So hatte ich nie das Gefühl alleine zu sein. Manche kannte ich schon aus dem Hotel, manche von unterwegs auf den Etappen. Wir kannten uns, obwohl wir nicht miteinander gewandert sind. Wir tauschten uns aus über all die wunderschönen Plätze die wir gesehen haben, machten Fotos voneinander oder plauschten einfach nur ein wenig. Zur Zufriedenheit gesellten sich jetzt neue Gefühle: Sympathie, Vertrauen, Dankbarkeit und Verbundenheit. Beschwingt und gut gelaunt wanderte ich Etappe für Etappe, mal alleine, mal mit Begleitung. Aber an meinem Gefühl änderte sich nichts: Ich war einfach glücklich.

Bisher war ich fast ausschließlich alleine bei meinen mehrtägigen Wandertouren. Das hat mir nichts ausgemacht und es mach mir weiterhin nichts aus, alleine zu wandern. Aber dieses Glücksgefühl, das ich auf dem Eifelsteig erlebte, habe ich so bei all meinen bisherigen Wanderungen nicht gehabt. Atemberaubender Landschaftsmix, tolles Spätsommerwetter und mystische Herbstnebelmomente, glückliche Zufälle, unglaublich nette Menschen in den Städten und Dörfern und liebe Menschen, die mich zeitweise begleitet haben – all das in Kombination mit einem großartigen Wanderweg haben dieses Glücksgefühl in mir hervorgerufen.

Wenn ich alleine in der Natur bin, sind es solche Augenblicke, die mich berühren und die ich „mitnehme“.

Wenn ich alleine in der Natur bin, sind es solche Augenblicke, die mich berühren und die ich „mitnehme“.

Alleine wandern macht mich in jedem Fall zufrieden und ausgeglichen. Es reduziert sich dabei alles auf das Wesentliche. Dinge, die mich quälen und belasten verlieren ihre Bedeutung. Innere Wunden heilen und die Seele oder der Geist findet wieder Ruhe. Wandern mit netten Menschen aber macht mich glücklich, weil ich Erlebnisse und die damit verbundenen Gefühle teilen kann. Die Glücksgefühle, die ich beim Wandern mit lieben Menschen empfinde, gehen tiefer und wirken nachhaltiger. Jetzt gerade, während ich das schreibe, bin ich glücklich, weil ich sie alle getroffen habe und Zeit mit ihnen verbringen durfte. Deshalb:

danke liebe Kathrin, für die zwei tollen Tage;
danke liebe Uschi – einfach für alles;
danke liebe Christa und lieber Thomas für den wunderschönen Tag;
danke liebe Bianca, für den Mordsspaß, den wir zusammen hatten;
danke lieber Rainer für den überaus entspannten, witzigen und kurzweiligen Wandertag;
danke, all den netten Wanderern, die unterwegs immer wieder meinen Weg gekreuzt haben
und
danke liebe Eifel, für die vielen unvergesslichen Glücksmomente in deiner wilden Natur.

Spaß haben und gemeinsam auf Entdeckungstour gehen – mit Bianca war das möglich.

Spaß haben und gemeinsam auf Entdeckungstour gehen – mit Bianca war das möglich.

Mit Christa und Thomas bin ich von Daun nach Manderscheid entlang des Lieserpfads gewandert. An diesem Tag war verrücktes Wetter. Von Nebel, Sonne, Regen bis Sturm war alles dabei. So ist die Eifel.

Mit Christa und Thomas bin ich von Daun nach Manderscheid entlang des Lieserpfads gewandert. An diesem Tag war verrücktes Wetter. Von Nebel, Sonne, Regen bis Sturm war alles dabei. So ist die Eifel.

Rainer Schmitz, Geschäftsführer Gesundland Vulkaneifel, begleitete mich auf der längsten Etappe. Wir hatten eine flotten Schritt drauf und waren dennoch völlig tiefenentspannt.

Rainer Schmitz, Geschäftsführer Gesundland Vulkaneifel, begleitete mich auf der längsten Etappe. Wir hatten eine flotten Schritt drauf und waren dennoch völlig tiefenentspannt.

Lesetipp: Mit dem Thema „Glück“ und „Glücklichsein“ habe ich mich zum Weltglückstag schon einmal auseinandergesetzt.